Deutschsprachige Bücher lesen

Ich werde nie vergessen, als ich damals im Anfängerkurs einen Kursteilnehmer stolz mit dem frisch gekauften Büchlein „Kleinen Prinzen“ in den Reihen sitzen sah. Ein kleines Büchlein, das in zig Sprachen übersetzt wurde und für viele einen besonderen Stellenwert hat. Was sich aber auf den wenigen Seiten auf Deutsch verbirgt, kann ein Anfänger kaum abschätzen. Denn diese Erzählung - wie viele Märchen auf Deutsch - wurde in der Vergangenheitsform „Präteritum“ verfasst und diese Form lernt man aufbauend erst zu einem späteren Zeitpunkt. Daher habe ich meinem damaligen Kursteilnehmer diskret zugänglichere Lektüren empfohlen – ich wollte ja seine Begeisterung nicht hemmen.

 

Dieses Beispiel ist jedoch kein Einzelfall: Bei vielen ist der Wunsch so groß, Bücher auf Deutsch zu lesen, dass sie sich zu viel vornehmen und dann enttäuscht das gewählte Buch zur Seite legen und glauben, dass sie es nie schaffen werden. 

 

Gerne möchte ich an dieser Stelle einige Tipps für zugänglichere Bücher auf unterschiedlichen Niveaus geben. Doch zuvor einige Überlegungen rund um die Fertigkeit Lesen und ihren Nutzen für das Deutschlernen. 

 

Lesen ist eine gute Möglichkeit, die Fremdsprache Deutsch aufrechtzuerhalten, da man weder an einen Kurs noch an einen Gesprächspartner gebunden ist. Man schnappt sich einfach ein Buch und setzt sich in eine Ecke und liest. Dabei werden vor allem die passiven Wortschatz-Kenntnisse vertieft und der Satzbau analysiert und verinnerlicht. Für jede Fremdsprachen-Lektüre gilt: Wörterbuch ja, aber in Maßen! Es soll nicht Ziel sein, jedes einzelne Wort zu verstehen, worum es geht ist, die gesamte Geschichte zu erfassen und im Lesefluss zu bleiben! Ein ständiges Nachschlagen von Wörtern ist frustrierend und störend. 

 

Welche Bücher könnte man also als Anfänger und fortgeschrittener Lerner zur Hand nehmen? 

 

Niveau A1/A2: Leichte Lektüre von verschiedenen Verlagen! Die Bücher reichen von Lernkrimis, die eigens für Deutschlerner geschrieben wurden bis hin zu Klassikern der Literaturgeschichte, die vereinfacht neu abgefasst wurden. Diesen liegt meist eine CD bei und verfügen über Hintergrundinformationen sowie Übungen zum Textverständnis. Ein Rat bei der Auswahl: Man sollte unter anderem darauf achten, dass dem Büchlein eine CD beigelegt ist (das aktive Hören des Textes schult das Hörverständnis und verbessert die Aussprache). Ebenso sollten die Lösungen zu den Übungen angegeben sein. Achtung bei nicht deutschsprachigen Verlagen: obwohl einige wirklich sehr empfehlenswert sind, besteht doch die Gefahr, dass die Texte fehlerhaft sind! 

 

Ab Niveau B1: Im Grunde steht dem Lesen nichts mehr im Wege, denn die wichtigsten Grammatikaspekte sind mit B1 abgedeckt. Dennoch ist auch hier die richtige Wahl von Bedeutung. 

Besonders zugänglich sind Bücher, die über

  • viele Dialogszenen (Theaterstücke sind demnach eine gute Quelle),
  • einen linearen Handlungsstrang und
  • über wenige parallele Erzählstränge verfügen. 

 

Ein Buch zu lesen, das man bereits in der Muttersprache gelesen hat, könnte auch eine gute Wahl sein, um die erste Hürde zu nehmen. 

 

Hier eine Liste von empfehlenswerten Büchern für Deutschlerner ab B1. Alle Bücher (bis auf die mit Asterik gekennzeichneten) stehen im Kursbüro zum Entleihen zur Verfügung

  • Die Physiker* von Friedrich Dürrenmatt (Schweizer Schriftsteller), eine Komödie in zwei Akten.
  • Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer (österr. Schriftsteller), ein Briefroman über eine Internet-Liebschaft
  • Alle sieben Wellen von Daniel Glattauer (österr. Schriftsteller), ein E-Mail-Roman
  • Die Welt von Gestern* von Stefan Zweig (österr. Schriftsteller), autobiografisches Geschichtsbuch über eine bewegte Zeit Österreichs.
  • Sunrise von Michael Köhlmeier (österr. Schriftsteller), Zwei Figuren reden mit ihren Lebensgeschichten gegen den Tod an, der als Personifikation auftritt.
  • Jessica, 30. von Marlene Streeruwitz (österr. Schriftstellerin), Roman über die Lebensrealität einer 30-jährigen, hochqualifizierten, gutaussehenden Single-Frau

…und viele mehr…

 

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© Text von Daniela Hell

(übersetzt von Eva Romoli)